Eine religiöse Generation in der Türkei? Das ist der Traum des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Doch eingetreten ist etwas anders. Zumindest wenn man der Umfrage des Forschungsinstituts KONDA glauben schenkt. Demnach ist die Zahl der gläubigen Menschen in der Türkei nämlich rückläufig.
Maßnahmen der türkischen Regierung
Religiöse Generation Erdogans?
KONDA gehört zu den renommiertesten Umfrageinstituten der Türkei. Die Umfrage zu gesellschaftlichen Fragen in der Türkei hat KONDA anhand von 5793 Interviews durchgeführt.
„Glaubensgrundsätze des Islam werden nicht gelebt“
Der Theologe Cemil Kiliç hat eine Erklärung dafür. In einem Interview mit der Türkischen Redaktion der Deutschen Welle (DW Türkçe) sagte Kilic, dass theoretisch 99 Prozent der türkischen Bevölkerung aus Muslimen besteht. Allerdings handle es sich dabei um ein kulturelles sowie soziologisches Muslim-Sein. Man definiere Muslime in der Türkei lediglich über die Ausrichtung von Gebeten, die Pilgerfahrt oder durch das Tragen des Kopftuchs. Doch Kilic glaubt, dass Islam vielmehr ist als nur diese geläufigen Praktiken: „Eigentlich muss auch über ethische sowie menschenrechtliche Werte eine Definition über die Religiosität aufgestellt werden.“ Und bei Einbezug dieser Werte zieht Kilic die Zahl der Muslime in der Türkei runter: „Nach meinen Beobachtungen ist die Zahl der Muslime nach den Glaubensgrundsätzen nicht über 60 Prozent.“
„Koran wird von Atheisten mehr befolgt als von Muslimen“
Kilic glaubt auch, dass in der Türkei ein umayyadischer Islam herrscht: „Die Ausrichtung des Gebets, die wir im Koran finden, ist eine Aufruhr gegen die Ungerechtigkeit. Beim umayyadischen Islam wird das Gebet als ein Gehorsam gegenüber dem Sultan, dem Staat, der Regierung angesehen.“ Laut Kilic werden die Aussagen des Koran eher von Atheisten und Deisten angewandt als von Muslimen.